Autismus allgemein

 

Autismus ist eine schwere Entwicklungsstörung, die in frühester Kindheit beginnt und meist zu lebenslanger Behinderung führt.

 

Ursache ist eine  gestörte Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitung, der es den betroffenen Menschen unmöglich macht sinnzusammenhängende Strukturen zu erkennen und flexibel darauf zu reagieren. So fällt es den Betroffenen schwer sich in andere Menschen hineinzuversetzen, Handlungen zu verstehen, vorherzusehen und folgerichtig sozial angemessen zu reagieren.

 

Zusätzlich können besonderes bei schwereren Ausprägungen massive Ängste oder Zwänge auftreten, welche zu einem  enormen Rückzugsverhalten führen. Durch die fehlende aktive Auseinandersetzung mit dem Gegenüber und der Umwelt bleibt kaum Raum für Weiterentwicklung.

 

Autismus ist in allen sozialen Schichten und Volksgruppen zu finden. In seinem Ausprägungsgrad und der Zusammensetzung der Symptome ist Autismus sehr unterschiedlich und tritt unabhängig von der intellektuellen Begabung auf. Hinsichtlich der Ursachen bis es bis heute noch keine vollständige Klärung.

Man geht davon aus, dass bis zu 25 von 10.000 Menschen betroffen sind, dabei sind Jungen häufiger betroffen als Mädchen.

Die Behinderung Autismus ist gekennzeichnet durch eine Beeinträchtigung der Kommunikation und der sozialen Bezüge.

 

Grundlage ist eine Störung der Wahrnehmungen und des Handels.

Dies tritt unabhängig von der intellektuellen Begabung auf und ist hauptsächlich gekennzeichnet durch:

  • Beeinträchtigung der sozialen Bezüge
  • Beeinträchtigungen in der Kommunikation
  • eingeschränktes, stereotypes, sich wiederholendes Repertoire von Interessen und Aktivitäten

Und kann führen zu:

  • massiven Verhaltensauffälligkeiten
  • selbst- und fremdgefährdendes Verhalten

 

Autismusspektrum

 

Der immer häufiger auftretende Begriff Autismus-Spektrums-Störung (ASS) weist auf ein Kontinuum unterschiedlichster Symptome und Ausprägungen hin. 

Autismus ist eine entwicklungsneurologische Störung und zählt diagnostisch zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen (ICD-10, F84). 

 

Die klinische Praxis unterscheidet drei Formen von Autismus:

  1. Der frühkindliche Autismus (Kanner Syndrom)
  2. Das Asperger Syndrom
  3. Der atypische Autismus

 

Autismus-Spektrum-Störungen

Störungen innerhalb des sogenannten Autismus-Spektrums sind tiefgreifende Entwicklungsstörungen. Es wird zwischen frühkindlichem Autismus, dem Asperger-Syndrom und dem atypischen Autismus unterschieden. Weil in der Praxis zunehmend leichtere Formen der einzelnen Störungsbilder diagnostiziert werden und die Unterscheidung in der Praxis immer schwerer fällt, werden die unterschiedlichen Ausprägungen unter dem Begriff Autismus-Spektrum-Störung zusammengefasst.

Menschen mit Autismus können soziale und emotionale Signale nur schwer einschätzen und haben ebenso Schwierigkeiten, diese auszusenden. Deshalb wirken ihre Reaktionen auf Gefühle anderer Menschen selten angemessen, und sie haben Schwierigkeiten, ihr Verhalten an eine soziale Situation anzupassen.

Auch die Entwicklung des Sprachgebrauchs und des Sprachverständnisses ist betroffen: Autistischen Menschen fällt es schwer, etwa ihre Sprachmelodie oder ihre Tonlage an die Situation anzupassen. Ebenso gebrauchen sie kaum Gestik, um den Sinn einer Aussage zu unterstreichen.

Alltägliche Aufgaben führen Autisten meist starr und routiniert aus. Typisch sind sich wiederholende und stereotype Verhaltensmuster, Interessen und Aktivitäten. Kinder beschäftigen sich beispielsweise gerne mit Fahrplänen oder anderen Datensammlungen. Veränderungen von Handlungsabläufen oder etwa der Wohnungseinrichtung können Autisten Probleme bereiten und für teils heftige Reaktionen sorgen.

 

 

Frühkindlicher Autismus

Die Merkmale des frühkindlichen Autismus (auch Kanner-Syndrom genannt) ICD-10, F84.0 zeigen sich schon vor dem dritten Lebensjahr. Besonders deutlich bemerkbar machen sich die Symptome im sozialen Umgang mit anderen, in der Kommunikation und in sich wiederholenden stereotypischen Verhaltensweisen. Die Ausprägung der einzelnen Symptome ist von Kind zu Kind unterschiedlich.

Kinder mit frühkindlichem Autismus können zunächst keine Geste, kein Lächeln, kein Wort verstehen. Sie ziehen sich zurück und kapseln sich ab. Jede Veränderung in Ihrer Umwelt erregt sie stark. Kinder mit frühkindlichem Autismus können nicht spielen und benutzen ihr Spielzeug in immer gleicher, oft zweckentfremdeter Art und Weise. Sie entwickeln Stereotypien: etwa das Drehen und Kreiseln von Rädern und anderen Dingen, das Wedeln mit Fäden oder Papier.

Kinder mit frühkindlichem Autismus haben häufig vom Säuglingsalter an Probleme beim Essen und beim Schlafen und entwickeln selbststimulierende Verhaltensweisen, die bis zur Selbstverletzung reichen können. Sie bestehen zwanghaft auf ganz bestimmte Ordnungen. Sie weigern sich beispielsweise, bestimmte Kleidung zu tragen, wiederholen immer wieder bestimmte Verhaltensweisen oder sprachliche Äußerungen oder Sammeln exzessiv bestimmte Gegenstände. Oft bringen sie damit ihre Eltern zur Verzweiflung.

Die intellektuelle Begabung von Kindern mit frühkindlichem Autismus ist sehr unterschiedlich. Sie reicht von geistiger Behinderung bis hin zu normaler Intelligenz. In Teilbereichen entwickeln die Kinder häufig erstaunliche Fähigkeiten, etwa in technischen Disziplinen oder der Musik.

Schätzungen zufolge sind in Europa, Kanada und den USA ein bis zwei von tausend Kindern von frühkindlichem Autismus betroffen. Verlässliche Zahlen, wie häufig die Störung in Deutschland auftritt, gibt es bisher nicht. Zwar können autismusbedingte Beeinträchtigungen mit Hilfe von speziellen Therapien und Trainings gebessert oder kompensiert werden. Eine Heilung ist aber nicht möglich. Die meisten Menschen mit Autismus benötigen lebenslange Hilfe und Unterstützung.

 

 

Asperger-Syndrom

Das Asperger-Syndrom (ICD-10, F84.5) ist gekennzeichnet durch qualitative Beeinträchtigungen der gegenseitigen Interaktion. Zusätzlich zeigen sie ungewöhnliche intensive und umschriebene Interessen. Im Gegensatz zum frühkindlichem Autismus fehlt jedoch hier eine Verzögerung der Sprachentwicklung oder der kognitiven Entwicklung. 

Die Sprachentwicklung bei Menschen mit dem Asperger-Syndrom erfolgt frühzeitig oft schon vor dem freien Laufen. Sie entwickeln eine sehr wandlungsfähige Sprache mit einem umfangreichen Wortschatz, originellen Wortschöpfungen und überartikulierter Aussprache. Die eigene Sprachmelodie wirkt wenig natürlich, eher monoton oder auswendig gelernt, oft naiv, unpassend oder übertrieben pedantisch, formell und altklug. Sie haben Schwierigkeiten die Bedeutung der Sprachmelodie des Anderen zu erfassen und in ihre eigene Kommunikation mit einzubauen. Oft halten sie Monologe über ihre Sonderinteressen und Gespräche vom Typ Smalk-Talk fallen ihnen am schwersten. 

Sie haben übermäßig intensive, eng umgrenzte und praxisferne Sonderinteressen. So werden Dinge gesammelt oder Kenntnisse über Spezialthemen angeeignet, wie z. B. über Zugfahrpläne, Tunnelsysteme, Astronomie etc.

Menschen mit dem Asperger-Syndrom besuchen in der Regel "normale Schulen", jedoch sind sie trotz guter Intelligenz schlechte Schüler, da sie eine ausgeprägte Aufmerksamkeitsstörung haben. Dabei lassen sie sich nicht nur von äußeren Reizen ablenken, sondern auch von inneren, d. h. sie sind mit sich selbst beschäftigt und mit der extremen Konzentration auf ihre Spezialinteressen. Innerhalb des Klassensystems fallen sie häufig durch ihr merkwürdiges Sozialverhalten auf. Sie haben wenig Interesse mit Gleichaltrigen, spielen lieber allein oder mit Erwachsenen. 

 

 

Atypischer-Autismus

Der atypische Autismus (ICD-10, F84.1) unterscheidet sich vom frühkindlichen Autismus bzw. vom Asperger-Syndrom durch einen späteren Beginn und/oder dass die diagnostischen Kriterien nicht in allen drei Bereichen erfüllt werden. So wird entweder die beeinträchtigte Entwicklung nach dem 3. Lebensjahr erstmals manifestiert oder es bestehen deutlich nachweisbare Auffälligkeiten in nur einem oder zwei der drei für die Diagnose geforderten Bereiche. (Dilling: Internationale Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10, klinisch-diagnostische Leitlinien, Huber, Bern 2008)